Ronald Franke
 

Der romantische Blick jagt Franke. Oder Franke ihn. Manchmal schafft der eine es, den anderen zu fangen.
Dann sagt Franke so etwas wie: „Ob ein Bild gut wird oder nicht, entscheidet nicht das Motiv. Ich kann von etwas
Schönem auch ein hässliches Bild malen oder von etwas Hässlichem ein schönes Bild.“ Abseits der Jagd versucht
er zu begreifen und zu verstehen – und zieht tiefe Kufen in seine Ölfarbe. Malt Bilder des modernen Atlantis, nur
ohne Wasser. Später werden seine Kufen und Ritze zu den Schienen der Straßenbahnen, zusammengehalten von
breiten Alleen und geometrischen Hochhäusern. Deren Fenster macht er zu undurchsichtigen Mauern oder dunstigen
Zwischenräumen, durchzogen und eingezäunt von den Oberleitungen der Bahnen.


Seine Bilder malt er plein-air: draußen, mitten in der Stadt. Da wo es im Sommer nach heißem Asphalt und ihm Winter
nach grauem Schnee riecht. Wo die Abgase an seiner feuchten Farbe haften bleiben und sein Bild ungeschützt
jederzeit umgestoßen werden könnte. Manchmal steigt er auf einen Berg, überblickt und portraitiert von oben. Die
Farben bleiben ähnlich: zwischen weiß, grau und schwarz, dunstigen Blau und ganz selten etwas in der Mitte von
gelb und rot. Den freien Raum des Lichts wählt er als Fluchtpunkt. Die Seiten sind bebaut, die Perspektive bleibt
zentral. Dynamik und Statik gehen zusammen spazieren, inmitten der Utopie einer Stadt.


Menschen blendet Franke aus, genauso wie Bäume, Fahrzeuge, bunte Werbereklamen, Ampeln und Verkehrsschilder.
Mit der zugeschriebenen Rolle der Irrelevanz, besteht deren einzige Bedeutung in ihrer Abwesenheit und beweist: Die
Stadt braucht sie nicht. Als Idee eines Raumes, der abseits und trotzdem parallel zur Natur existiert, funktioniert die
Stadt auch ohne all das. So lange wie die Zeit will.


Arnika Fürgut