Le Noir

Für eine Farbe, die sich durch die Abwesenheit optischer Reize konstituiert, hat das Schwarz
eine eindrucksvolle Karriere hingelegt. Gerade die Dialektik des anwesenden Abwesenden
inspirierte Künstler wie Kasimir Malewitsch, Ad Reinhardt oder Robert Rauschenberg –
die Schwärze ließ viel offen und sie ließ viele hoffen, dass mit ihrer Hilfe die abstrakte Malerei
von allen heteronomen Elementen gereinigt werden könne.
Reinheitsgebote liegen Pat Rosenmeier und Philipp Haager fern. Das Schwarz kehrt wieder,
doch in seinem Dunkel schlummern keine verborgenen Schätze, die in einer spirituellen
Hinterkammer der Bilder geborgen werden können. Die anwesende Abwesenheit der Schwärze
spielt vielmehr mit dem ontologischen Status von Bildern selbst, die ebenfalls „da sind“ und
doch nicht; die etwas zeigen, was sie nicht sind: Verweist Haager auf Himmel und Horizonte
oder sind es atmosphärische Farbzustände sui generis? Rosenmeiers schwarze Magnolien
wiederum stellen gleichsam eine Botanisierung von Franz Marcs blauen Pferden dar, über
welche Kandinsky schrieb, in diesem Falle sei Mimesis ausnahmsweise erlaubt, weil die
Farbgebung sie negiere – es gibt Pferde, aber keine blauen. Es gibt Magnolien, aber keine
schwarzen.

Jörg Scheller